Hashimoto Thyreoiditis und Hypothyreose

 

Hashimoto Thyreoiditis ist eine autoimmun verursachte Schilddrüsenentzündung. Sie wird auch als chronisch lymphozytäre Thyreoiditis oder autoimmune Thyreoiditis bezeichnet. Häufig ist der ganze Körper betroffen. Die Krankheit verläuft individuell sehr unterschiedlich.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bildet die Schilddrüse – eine hormonproduzierende Drüse im vorderen Halsbereich unterhalb des Kehlkopfes – zu wenig oder keine Schilddrüsenhormone. Diese Hormone, Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), beeinflussen beim Menschen fast alle Stoffwechselvorgänge. Während eine leichte Schilddrüsenunterfunktion oft kaum Symptome auslöst, wird ein stärkerer Hormonmangel nahezu die gesamte Stoffwechselaktivität merklich drosseln und Beschwerden verursachen.

Physiologische Funktion der Schilddrüse: Die Schilddrüse nimmt im menschlichen Körper zahlreiche wichtige Funktionen wahr. Sie ist unter anderem zuständig für die Produktion der beiden Hormone Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin (T4). Die Wirkungen der Schilddrüsenhormone sind sehr vielfältig; zudem sind sie teilweise mit den Wirkungen anderer Hormone eng verflochten:

T3 und T4 beeinflussen zum Beispiel den Sauerstoffverbrauch der Zellen, die Verstoffwechselung von Kohlenhydraten, Fetten und Eiweißen, also den gesamten Energiestoffwechsel, die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und des Magen-Darm-Traktes, Wachstums- und Differenzierungsvorgänge sowie die geistige Entwicklung bei Ungeborenen und Kindern.

 

Die häufigsten Symptome

 

Die Ursachen

Weitere chronische Schilddrüsenentzündungen, deren Ursache ein fehlfunktionierendes Immunsystem ist, sind Riedel-Thyreoiditis, Ord-Thyreoiditis, Morbus Basedow sowie Hashimoto-Thyreoiditis. Letztere ist unter den Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse am häufigsten vertreten und wird leider oft fehldiagnostiziert.

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist assoziiert mit einer Zerstörung der Schildrüsenzellen. Der Pathomechanismus  ist nicht zur Gänze geklärt, vielmehr hat man Hauptdarsteller identifizieren können in diesem Drama. An erster Stelle sind über das Normale hinaus stimulierte CD4+ T-Lymphozyten zu nennen, die in hohem Maße in die Drüse einwandern. Im Schilddrüsengewebe (Parenchym) Betroffener sind TH1-Zellen die vorherrschende Subpopulation, diese aktivieren unter anderem zytotoxische Lymphozyten und Fresszellen (Makrophagen). Beide, zerstören die Deckschicht und das Drüsengewebe der Schilddrüse. Die TH-2-Zellenphalance hingegen stimuliert die Proliferation von B-Lymphozyten und deren Ausdifferenzierung in Plasmazellen. Diese produzieren den Schilddrüsenautoantikörper MAK, welcher die Schilddrüsenperoxidase angreift sowie TAK, der auf die Zerstörung des Thyreoglobulin geeicht ist. Das Thyreoglobulin ist ein Protein der Schilddrüse,  an welchem die Schilddrüsenhormonsynthese von Thyroxin und Triiodthyronin stattfindet.

Die B-Lymphozyten sind ein maßgeblicher Aspekt bei der Entstehung und dem Voranschreiten der Entzündung. Zahlreiche in vitro und in vivo Studien bestätigen zudem die bedeutsame Rolle von regulatorischen T-Zellen (Tregs). Sie inhibieren unter anderem T-Helfer-Lymphozyten im Schilddrüsenfollikel und fördern dadurch die natürliche Selbsttoleranz. Eine reduzierte Anzahl oder funktionelle Beeinträchtigungen korrelieren mit der Entwicklung einer Hashimoto-Thyreoiditis. Weitere Studien zeigen einen kausalen Zusammenhang auf, dass der Darm und besonders die schleimhauternährenden Bakterien faecalibacterium prausnitzii und Akkermansia muciniphilia und ihre Herstellung von ISO-Fettsäuren einen Einfluss auf die Treg Zellen hat. Vielleicht sind deshalb Zöliakie und Hashimoto so eng vergesellschaftet.

Es gibt keinen monokausalen Ursachenhintergrund. Es sind vielmehr viele Trigger die zusammenkommen und einer bringt letztlich das Fass zum Überlaufen.

  • Hormonelle Störungen
  • Darmentzündungen/Leaky Gut (der löchrige Darm)
  • Dünndarmfehlbesiedlung (DDFB) oder Small Intestinal Bacterial Overgrowth (SIBO)
  • hoher Zuckerkonsum
  • chronische Infektionen – Borrelien, Epstein-Barr-Virus etc.
  • akute Infektionen
  • Nahrungsmittelallergien und- intoleranzen
  • Vitamin D Mangel
  • Selenmangel
  • Eisenmangel
  • Traumata – Verletzung der Halswirbelsäule (HWS)

Schilddrüsenantikörper

Die wichtigsten Antikörper heißen „MAK“ (oder TPO-Antikörper), „TAK“ und „TRAK“:

  • „MAK“ ist die Abkürzung für „Mikrosomale  Antikörper“, also Antikörper gegen Schilddrüsen-„Mikrosomen“ (= kleine Gewebestrukturen innerhalb einer Schilddrüsenzelle). Diese Antikörper richten sich jedoch nicht nur gegen Mikrosomen als Ganzes, sondern vor allem gegen das Enzym TPO. Daher werden die mikrosomalen Antikörper auch „TPO-Antikörper“ genannt.
  • „TAK“ sind „Thyreoglobulin-Antikörper“, daher ist hier auch häufig die Abkürzung „Tg-Ak“ zu finden. Diese Antikörper greifen also das Eiweiß (das Thyreoglobulin) an, aus dem die aktiven Schilddrüsenhormone T3 und T4 entstehen sollen.
  • „TRAK“ (TSH-Rezeptor-Antikörper) sind Antikörper, die sich auf die Rezeptoren setzen, die eigentlich für das TSH bestimmt sind. Sie regen die Schilddrüse übermäßig stark dazu an, die Schilddrüsenhormone T3 und T4 ins Blut abzugeben.

 

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis können TPO-AK (MAK) und TG-AK (TAK) vorhanden sein oder auch nur eine der beiden Antikörpersorten.

Allerdings werden bei 10-20% der Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis keine Antikörper gebildet bzw. befinden sich anfänglich keine erhöhten Antikörper im Blut. Dann kann die Diagnose nur durch eine Ultraschalluntersuchung gestellt werden auf seronegative Hashimoto-Thyreoditis.

Fehlende Antikörper schließen also das Vorliegen einer Hashimoto-Thyreoiditis nicht aus. Auch die Intensität der Erkrankung lässt sich nicht zuverlässig an der Höhe des Antikörperspiegels ablesen. Nachweis und Konzentration der Antikörper sind daher nur ein Mosaikstein bei der Diagnose und der Therapiesteuerung der Hashimoto-Thyreoiditis. Die Höhe der Antikörperspiegel im Verlauf der Erkrankung ist in ihrer Bedeutung noch unklar. Nach unserer Erfahrung sind hohe Antikörpertiter in der Regel auch ein Zeichen für eine starke Entzündung der Schilddrüse.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei Symptomen oder auffälligen Hormonwerten wird meist eine Behandlung mit Hormonersatz begonnen. Auffällige Hormonwerte bestehen, wenn fT3 und fT4 vermindert sind und der TSH Wert erhöht ist. Auch ein erhöhter TSH Wert bei normalem fT3 und fT4 Werten ist ein Grund zur Behandlung. Er weist auf eine bereits bestehende versteckte (medizinisch: latente) Unterfunktion hin. Bei normalen Blutwerten und Symptomen einer Hashimoto Thyreoiditis kann ebenfalls ein Behandlungsversuch unternommen werden (beginnend mit 25 µg L-Thyroxin täglich).

Das Ziel ist, die freien Schilddrüsenhormonwerte (fT3, fT4) im Referenzbereich zu halten. Eine regelmäßige Kontrolle der Hormonparameter ist erforderlich.

 

Laborwerte – die wichtig sind

  • TSH – Thyreoidea-stimulierendes Hormon
  • fT4 – Tetrajodthyronin
  • fT3 – Trijodthyronin
  • rT3 – reverse Trijodthyronin
  • TPO-AK
  • TAK
  • TRAK
  • Eisen
  • Ferritin
  • Transferrin
  • 25-OH D3 – Speicherform des Vitamin D3
  • 1,25 OH D3 – aktive Form des Vitamin D3
  • Selen
  • Jod

Hier eine Information vom Labor Ganzimmun zum reverse T3 reverse T3 Plus_FIN0083_005

Hormonwerte berechen – wie weit vom Optimum bin ich entfernt?

Um seine Hormonwerte miteinander vergleichen zu können und die Sättigung bestimmen zu können, rechnet man sie mit dem fT3/fT4-Rechner in Prozent um. Das Optimum befindet sich ohne Hormonzufuhr in der Mitte der Bandbreite, also bei 50%.

Aufgrund der oft schubweise verlaufenden Erkrankung sind Schwankungen der Hormonwerte möglich. Auch eine spontane Normalisierung der Schilddrüsenfunktion ist im Anfangstadium der Erkrankung sehr selten möglich. Weitere Kontrollen der Blutwerte sind aber lebenslang erforderlich. 

 

Welche Medikamente gibt es?

In Deutschland stehen die folgenden Präparate zur Verfügung.

T4-Präparate

  • Euthyrox® 25 /50 /75 /88 /100 /112/ 137 /150 /175 /200 /300 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin® Henning® 25 /50 /75 /100 /150 /175 /200 /300 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • Berlthyrox® 50 /100 /150 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • Eferox® 25 /50 /75 /100 /125 /150 /175 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin® Henning® depot enthält 1mg Levothyroxinnatrium
  • L-Thyrox® Hexal® 25 /50 /75 /88 /100 /112 /125 /137,5 /150 /175/200 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin beta® 25 /50 /75 /100 /125 /150 /175 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin HF® 50 /75 /100 /125 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin Aristo® 25 /50 /75 /100 /125 /150 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin ratiopharm® 50 /100 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin Hexal® 88 /112 besteht aus Levothyroxinnatrium
  • L-Thyroxin AL® 50 /100 besteht aus Levothyroxinnatrium

 

T3-Präparate

  • Thybon® 20/ 100 Henning besteht aus Liothyronin-HCL
  • Trijodthyronin® BC 50 besteht aus Liothyronin-HCL

 

T3 + T4 Präparate

  • Novothyral® /Novothyral75® enthält Levothyroxinnatrium und Liothyroninnatrium im Verhältnis 5:1, in den Dosierungen 100+20 / 75+15 erhältlich
  • Prothyrid® enthält Levothyroxinnatrium und Liothyroninnatrium im Verhältnis 10:1, in der Dosierung 100+10 erhältlich

 

Nebenwirkungen der hormonellen Therapie

Nebenwirkungen sind bei falscher Dosierung zu erwarten. In diesem Fall kann durch eine zu hohe Dosis eine künstliche Überfunktion erreicht. Es gibt Menschen, die mit Magenbeschwerden, Übelkeit oder Panikattacken auf L-Thyroxin reagieren.

Das Einstellen der freien Werte

Unterfunktion: Viele Patienten haben eine Unterfunktion, die durch Steigerung der Hormone in Abstimmung mit dem Arzt leicht zu beheben ist.

Umwandlungsschwäche: Bei anderen handelt es sich um eine Umwandlungsschwäche. Dabei kann das Hormon T4 (in L-Thyroxin enthalten) nicht ausreichend in das aktive Hormon T3 umgewandelt werden. Hier hilft es, zusätzliches T3 in die Hormonsubstitution mit aufzunehmen. Und auf die Cofaktoren der Umwandlungschwäche zu schauen – Leber und Darm. In diesen wird T4 in T3 umgewandelt.

T3 Blockade durch rT3: Wenn bei bestehender Umwandlungsschwäche zu lange eine T4-Therapie mit L-Thyroxin beibehalten wird, kann sich zu viel reverses T3 bilden, welches die T3-Rezeptoren blockieren kann und den Mangel an T3 in den Zellen verstärkt (als Pooling bekannt). Als Folge kann sich eine Nebennierenschwäche entwickeln, die mit anhaltender Erschöpfung einher geht und leicht als Depression fehldiagnostiziert wird.


Natürliche Schilddrüsenhormone

Die Alternative zu synthetischen Schilddrüsenhormonen sind die Schilddrüsenextrakte vom Schwein oder Rind. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts gibt es natürlich Schilddrüsenextrakte , die gut erforscht sind, denn sie waren 50 Jahre lang weltweit Therapie der Wahl, bevor die synthetisierten SD-Fertigprodukte den Markt eroberten.

Es gibt Standardprodukte sowie individuelle Rezepturen spezieller Apotheken, die heute von Ärzten für Hashimoto-Patienten verschrieben werden. Zu den bekanntesten Standardprodukten gehören

Armour

Thyroid von Erfa

Acella

WP-Thyroid

In Deutschland gibt es die Receptura-Apotheke in Frankfurt und die Klösterl-Apotheke in München, die Rezepturen mit „Thyreoidea siccata “ – gefriergetrocknetem Schilddrüsenextrakt vom Schwein,  gemäß Verordnung individuell mischen.

Die Präparate enthalten neben den Hormonen T3 und T4 auch T1, T2 sowie Calcitonin.

Wer Interesse an Ärzten hat die in Berlin – natürliche Schilddrüsenhormone verschreiben, kann gerne Kontakt aufnehmen: hier entlang.

 

Co-Erkrankungen der Hashimoto Thyreoiditis

Zöliakie/Sprue

Nahrungsmittelallergien

Leaky Gut

HPU/KPU

Nebennierenschwäche

Hormonungleichgewichte (Progesteronmangel)

Disclaimer:

Ich rate Ihnen dringend von einer Eigenbehandlung ab. Suchen Sie bei ernsten Beschwerden einen Heilpraktiker/in oder Arzt/Ärztin Ihres Vertrauens auf, welche/r die Diagnostik und/oder die Behandlung durchführt.

Quellen:
https://www.hashimotothyreoiditis.de/index.php/therapie/hormonorientiert
Heufelder, „Immunthyreoiditis Hashimoto – Ein Wegweiser für Ärzte und ihre Patienten“, 2011
http://www.natuerliche-therapie.de/schweinehormone/
https://www.bmel.de/DE/Ernaehrung/GesundeErnaehrung/_Texte/DEGS_JodStudie.htmlhttp://www.forum-schilddruese.de/Die-Schilddruese-verstehen/Warnsignale-der-Schilddruese.htm?ID=102https://www.hashimoto-thyreoiditis.de/diagnose/schilddruesen-check-bestimmung-von-antikoerpern-und-hormonen
http://news.doccheck.com/de/newsletter/4532/30564/?utm_source=DC-Newsletter&utm_medium=E-Mail&utm_campaign=Newsletter-DE-DocCheck+News+18.06+%28Donnerstag%29-2018-02-08&user=c3ce9264c04542ffc8506f29e2ab1bf5&n=4532&d=28&chk=c716e8f9bc2ae6f40c15288b6232ac47
Klösterl-Apotheke
Receptura-Apotheke
Hoffmann, Kyra, Hoffmann, Sascha: in „Jod- Schlüssel zur Gesundheit“, 1. Auflage 2016
Für die Schilddrüse – gegen den Starrsinn. Stop the Thyroid Madness! von Janie A. Bowthorpe
Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto anders behandeln von Datis Kharrazian
Why isn’t my brain working von Datis Kharrazian
Hashimoto im Griff von Isabella Wentz
Die Jodkrise – Wie das neue Wissen über ein uraltes Heilmittel Ihr Leben retten kann von Lynne Farrow
Die Hormonrevolution von Michael E.Platt
Gesund statt chronisch krank von Dr. med. Joachim Mutter

 

 

 

Kontaktdaten:

Heilpraktikerin
Kristina Rummelsburg
Wittelsbacher Straße 27
10707 Berlin
Tel: 030 – 50 56 29 64
Mobil: 0157 – 80 66 05 60

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